Jetzt mal ernsthaft. Die Beschreibungen von depressiven Personen reichen von “grau” bis “alles ist grau”. Anderswo heißt es inoffizell von offizieller Stelle: “Grau, die Farbe der Depression“.
Und dann frage ich mich – den Blick aus dem Fenster – : Ist die Welt (Mutter Erde) depressiv, oder bin ich es?
Oder: Wer hat dieses bescheuerte Wort erfunden und warum wirkt es seit Robert Enke wie die zweite Realität des Alltags?
Irgendwo habe ich gelesen, man solle zu seinen Alltagsdepressionen stehen, oder so etwas. Das finde ich seltsam. Warum soll man seine eigenen Empfindungen und Weltassoziationen als etwas Uniformes abstempeln lassen? Diese dürfen perspektivenlos und grau sein, ja.
Das ist eines der Fotos, die in der Woche bei meinem Freund entstanden sind. Leider sind es nicht besonders viele geworden, aber das ist ok. Dafür habe ich etwas zum Thema Valentinstag gemalt (siehe hier). Nicht wirklich für meinen Freund, da wir das nicht feiern (mein Entschluss). Dafür, dass es am Laptop entstanden ist finde ich es gut ^^
Es ist auch ein Foto entstanden, das mir selbst momentan sehr gut gefällt. Ich möchte es mal beschreiben, ein Versuch. Man sieht darauf ein sehr altes Blatt. Es ist vollkommen drucken und hat sich in einem Dornengestrupp niedergelassen. Die Struktur lässt es fast wie einen Stein wirken. Aus diesem Stein ragt eine spitze Lanze, eine gefährliche Waffe. Betrachte mich hier. Ich kann mir nicht helfen, ich verbinde etwas damit.
Heute um 3 Uhr träume ich nicht nur von Kälte.
Die Nacht hat trotz der Kälte dieser Jahreszeit etwas Positives: sie ist bunt(er). Sie lässt die graue hülle des Tages hinter sich. Alles leuchtet. Die Farben spielen. Gleichzeitig schläft die Welt. Im Winter ist das Nachtwesen glücklicher, wenn sie das Spiel mit der Activia-Werbung spielen und sich draußen abhärten. Jetzt wo tagsüber das Licht erst durch meterhohe (Wasser-)Partikeltürme gekrochen dahergeflogenkommt, da gibt es die Schatten erst Nachts wirklich kräftig.


Grau ist eine schwierige, eine sehr anspruchsvolle Farbe, wie ich finde. Sie nur als Farbe der Depression und/oder alltäglicher Langeweile und Frustration abzutun, finde ich unangemessen, da es den eigentlichen Charakter dieser Farbe nicht nur brutal beschneidet, sondern ihm auch nicht im geringsten gerecht wird.
Allerdings kann ich die Neigung vieler Depressionspatienten bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, da ich selbst von Zeit zu Zeit in eine leichte Depression verfalle, die aber weniger mit Alltagsfrust zu tun hat. Grau erscheint einem da tatsächlich am Passendsten – mir vor allem, weil Grau für mich die Symbolfarbe der Entscheidung ist. Weil sie die Farbe ist, die alle Farben in sich vereinigt, die Farbe, die das absolute Potenzial in sich trägt. Absolute Harmonie, absolute Ausgewogenheit. Das stille In-sich-Ruhen, nach dem man sich sehnt, wenn einen die Angst vor dem nächsten Augenblick würgt.
Ich weiß nicht, Grau als Symbol der Ruhe ist für uns Kinder der säkularen, westlichen Welt wahrscheinlich genau deswegen so schwer zu ertragen, weil wir dazu erzogen wurden, in Spannungsbögen und in Spannungen zu denken. Weil wir so ein ausgeprägtes “Unruhebewusstsein” haben, sind wir verunsichert, wenn wir plötzlich mit absoluter Stille und Ruhe konfrontiert werden, weil wir keinen Spannungsbogen haben, an dem sich unser Verhaltensmuster festhalten kann. Es wäre wirklich interessant eine philosophische Interpretation der Farbe von jemandem zu lesen oder zu hören, der in einem von den asiatischen Kulturen geprägten Kontext aufgewachsen ist.
Deine drei Photographien, insbesondere dein “Stein auf der Lanze” gefallen mir zum Thema “Grau” wirklich sehr. Zum Einen zeigen alle drei sehr schön auf ihre eigene Weise, dass Grau nicht un-farbig ist, zum Anderen welche Eleganz diese Farbe tatsächlich offenbart. Ist jetzt vielleicht etwas off-topic, aber ich glaube, um die Farbe Grau zu tragen, braucht es Mut. Weil man eine perfekte Harmonie zerbrechen und ihr die Farbigkeit der eigenen Persönlichkeit hinzufügen muss. Ein schreiendes Rot oder ein leuchtendes Blau übertönen die meisten Eigenfarben einer Persönlichkeit.
Naja, genug der Philosophiererei. Ein schöner Beitrag zur aktuellen Stimmung jedenfalls. Er macht nachdenklich.
Viele liebe Grüße,
Durloth
Ich muss sagen – wow. Dein Kommentar wurde von WordPress schon fast als Spam abgetan. Ich habe ihn gerettet.
Ich bin erstaunt über deine Interpretation und sie bewegt mich sehr, denn so tief habe ich das Thema letztlich gar nicht angeschnitten.
Aber du hast recht – in gewisser Weise unterstützen meine Fotografien das, was du ausformuliert hat. Bewegung, Veränderung, Ruhe, Eleganz und doch Kraft. Vielleicht auch Kraft in der Ruhe. Danke aber auf jeden Fall für deine nette Worte diesbezüglich!
Ich trage selten grau, aber prinzipiell fühle ich mich nicht unwohl darin. Ich finde nur selten Kleidung, die mir wirklich gefällt.
Trägst du gerne/oft grau?
Im Webdesign habe ich Grau in Kombination mit Weiß schätzen gelernt – eben wegen der Ruhe, die in Verbindung mit Farbe/Farbakzenten ausgeglichen wirkt.
LG, Flügel
ich find es ist schon komisch im winter… aber dann wenn die sonne zum ersten mal scheint.. erwacht man, ist gut gelaunt und total dankbar.. das leben hat wieder einen sinn und ist schön! so gings mir letzens als die sonne zum ersten mal schien..
[...] aus (!) – oder umgekehrt. Na jedenfalls habe ich ja schon vor ein paar Wochen erörtert, was ich von der “Farbe” Grau halte – und ja, sie ist schwer zu meistern. Madme AnitGRAU* sagt [...]